Gestatten,
Skandale und Affären?
Fiktives Interview mit Kai Wegner
„Guten Abend aus dem Homeoffice der Macht“
Interviewer: Herr Wegner, schön, dass Sie es eingerichtet haben, heute persönlich zu erscheinen. Mussten wir dafür das Licht ausmachen, damit Sie kommen?
Kai Wegner: Ich freue mich, hier zu sein. Und nein, ich komme auch, wenn der Strom noch an ist.
Interviewer: Beim großen Stromausfall haben Sie das aber eher theoretisch gesehen, oder? Viele Berliner hatten das Gefühl: Alle sind im Dunkeln, nur der Regierende sitzt im Warmen und ruft mal durch.
Kai Wegner: Krisenmanagement bedeutet, den Überblick zu behalten. Manchmal geht das besser aus der Leitstelle, manchmal von zu Hause.
Interviewer: „Leitstelle Wohnzimmer“ ist ein interessantes Konzept. Haben Sie auch eine Krisen-Couch und ein Lagezentrum auf dem Couchtisch?
Kai Wegner: Ich kann sehr gut von überall arbeiten. Entscheidend ist, dass Entscheidungen getroffen werden.
Interviewer: Viele hätten sich gewünscht, dass eine dieser Entscheidungen lautet: „Ich fahre hin.“ Stattdessen waren Sie zugeschaltet. War das WLAN stabiler als die Stromversorgung?
Kai Wegner: Wir hatten ständig Kontakt zu allen relevanten Stellen. Vor Ort zu sein ist wichtig, aber nicht der einzige Faktor.
Interviewer: Berlinerinnen und Berliner sagen: „Wir hatten keinen Strom, aber wenigstens war der Regierende Bürgermeister per Videokonferenz zugeschaltet.“ Klingt nicht sehr tröstlich.
Kai Wegner: Wir haben uns um Lösungen gekümmert: Notunterkünfte, Unterstützung, Kommunikation mit den Behörden.
Übernachtungen im Ausnahmezustand
Interviewer: Apropos Unterkünfte: Erst gab es nur Rabatte im Hotel, dann nach Kritik volle Kostenübernahme. Hat die Regierung da auch erst mal im Sparmodus gearbeitet?
Kai Wegner: Wir haben sehr schnell reagiert. In solchen Situationen muss man oft nachsteuern, wenn das Ausmaß sichtbar wird.
Interviewer: „Nachsteuern“ ist ein schönes Wort für: „Die Leute waren sauer, dann haben wir es geändert.“ Geben Sie zu, dass der Druck von außen da eine größere Rolle gespielt hat als Ihre innere Erleuchtung?
Kai Wegner: In einer Demokratie ist es normal, dass man Kritik hört und Entscheidungen anpasst. Das ist kein Makel, sondern ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein.
Interviewer: Oder von schlechtem Kriseninstinkt. Finden Sie im Rückblick: „Ja, da hätte ich früher, deutlicher, sichtbarer reagieren müssen“?
Kai Wegner: Im Rückblick kann man immer Dinge finden, die man anders machen würde. Wichtig ist, dass wir aus jeder Krise lernen.
Interviewer: Wenn die Leute sagen: „Wir haben gelernt, dass unser Bürgermeister im Ernstfall per Call-In zugeschaltet wird“, ist das eher eine Lektion oder eine Warnung?
Kai Wegner: Ich weiß, dass dieses Bild entstanden ist. Aber es entspricht nicht dem vollen Einsatz, den wir gezeigt haben.
Führung, Erwartung und Reality-Check
Interviewer: Viele sprechen von „Führungsschwäche“. Sie von „Führung“. Die Menschen im Dunkeln hatten eher das Gefühl: „Führen ja, aber bitte nicht nur aus dem Wohnzimmer.“ Trifft Sie dieser Vorwurf persönlich?
Kai Wegner: Natürlich beschäftigt mich das. Man geht nicht unberührt an Kritik vorbei. Aber ich kenne meinen Einsatz und meine Verantwortung.
Interviewer: Wenn Sie jetzt noch einmal denselben Stromausfall hätten – was wäre anders? Würden Sie diesmal direkt losfahren oder warten, bis Zoom aufgebaut ist?
Kai Wegner: Man würde einige Abläufe anpassen, auch was Sichtbarkeit vor Ort betrifft. Ich nehme diese Erwartung sehr ernst.
Interviewer: Also doch: weniger „Regierender Bürgermeister im Off“, mehr „Regierender Bürgermeister mit Taschenlampe vor Ort“?
Kai Wegner: Ich glaube, die Menschen wollen beides: handlungsfähige Strukturen im Hintergrund und sichtbare Präsenz. Daran arbeiten wir.
Interviewer: Letzte Frage: Wenn das nächste Mal irgendwo in Berlin das Licht ausgeht – was sollen die Leute dann denken, wenn sie Ihren Namen hören?
Kai Wegner: Dass jemand Verantwortung übernimmt, Lösungen organisiert und nicht wegschaut.
Interviewer: Und hoffentlich nicht wegbleibt. Vielen Dank für das Gespräch.
